Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 16/2026 vom 23. April 2026
12. Frankreich
12. Autorinnen und Autoren verlassen Grasset
Das alljährliche Pariser Buchfestival am vergangenen Wochenende stand weitgehend im Zeichen der Proteste gegen die am 14. April erfolgte plötzliche Entlassung des Grasset-Verlegers Olivier Nora durch den Medienmogul Vincent Bolloré. Der 66-jährige Olivier Nora hatte den traditionsreichen französischen Verlag 25 Jahre lang geleitet; mehrere seiner Autorinnen und Autoren wurden mit dem Goncourt-Buchpreis ausgezeichnet. Als Grund nannte Vincent Bolloré Meinungsverschiedenheiten über das Veröffentlichungsdatum eines neuen Buchs von Friedenspreisträger Boualem Sansal, der nach seiner Entlassung aus der Haft in Algerien überraschend von Gallimard zum Konkurrenten Grasset gewechselt hatte.
Der als klerikal-nationalistisch geltende 74-jährige Milliardär Vincent Bolloré ist seit 2023 Eigentümer von Frankreichs grösster Verlagsgruppe Hachette, zu der auch Grasset gehört. Über 170 Autorinnen und Autoren fordern nun die Rechte an ihren bisherigen Büchern zurück (Börsenblatt, 20. April). Zu den Erstunterzeichnenden gehören Virginie Despentes, Frédéric Beigbeder oder Bernard-Henri Levy. Ausserdem haben über 200 Verlegerinnen und Verleger, angeführt durch Antoine Gallimard, Serge Eyrolles und Françoise Nyssen (Actes Sud), gegen die Willkür der Entlassung protestiert. Auf Vincent Bolloré scheint die Welle der Proteste keinen Eindruck zu machen; die abgewanderten Autorinnen und Autoren werde man bald und problemlos ersetzen, sagte er gegenüber dem Journal du Dimanche.
Grasset ist einer der ältesten Verlage in Paris. Er wurde 1907 von Bernard Grasset gegründet und veröffentlichte nicht nur zahllose französische Erfolgsautoren wie Proust, Mauriac oder Cendrars, sondern auch die Übersetzungen von Zweig, Marquez oder Eco.
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