Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 44/2023 vom 23. November 2023
1. Schweizer Buchpreis
1. Christian Haller gewinnt
An der 16. Verleihung des Schweizer Buchpreises am letzten Sonntag im Foyer des Theaters Basel wurden die Zuschauerinnen und Zuschauer von den klassischen Klängen des Quartetts Liviv Virtuosos empfangen – Musikerinnen und Musiker, die vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs flüchteten und nun den musikalischen Rahmen für die mit Spannung erwartete Preisverleihung bildeten. In seinem Grusswort erinnerte der neue SBVV-Präsident Manuel Schär an die heikle, ja, explosive weltpolitische Lage. «Was selbstverständlich schien, ist infrage gestellt», sagte er, «unsere offene und freie Gesellschaft.» Er bedankte sich bei den fünf Nominierten und ihren Verlagen: «Der Beitrag, den Schriftellerinnen und Schriftsteller wie Sie, Christian Haller, Demian Lienhard, Sarah Elena Müller, Adam Schwarz und Matthias Zschokke, für eine freie Gesellschaft leisten, ist kaum zu ermessen.»
Damit war der symbolische rote Teppich für die Einzelvorstellungen der nominierten Bücher ausgerollt. Die fünf Titel waren im Vorfeld von der unabhängigen Jury nach vielen Lese- und Diskussionsrunden aus den eingereichten 85 Büchern von 55 Verlagen für die Shortlist ausgewählt worden. «Jedes der eingereichten Bücher wurde in einer ersten Runde von zwei Mitgliedern der Jury gelesen», erklärte Jury-Sprecher Michael Luisier, Literaturredaktor bei SRF, das Auswahlverfahren. «Sobald jemand eine Kandidatin oder einen Kandidaten für die Shortlist ausgemacht hatte, wurde das Buch von allen übrigen Jurymitgliedern ebenfalls gelesen.» Ein eigentliches Grundthema sei bei den eingereichten Titeln in diesem Jahr nicht auszumachen gewesen; wenn überhaupt, ging es oft in der einen oder anderen Form um Identität. Wie in jedem Jahr folgte anschliessend die Vorstellung der einzelnen Nominierten. Jedes Jurymitglied würdigte einen der Texte. Zwischen den Laudationen las die Berliner Schauspielerin Nicole Coulibaly – stilecht im bequemen Lesesessel – einige Passagen aus den jeweiligen Büchern.
Der Höhepunkt, die Verkündung des Siegertitels, oblag Eva Herzog, Präsidentin von BuchBasel, und SBVV-Präsident Manuel Schär. Der Schweizer Buchpreis 2023 ging an Christian Haller mit «Sich lichtende Nebel», Luchterhand. Eva Herzog las die Begründung der Jury: «Christian Haller, studierter Naturwissenschaftler und Autor, nähert sich in seinem Buch Fragen, die für die Literatur wie für die Wissenschaft relevant sind. Wie beschreibt man Unbeschreibliches, wie sagt man Unsagbares? Wie verlässlich ist unsere Wahrnehmung? Meisterhaft verdichtet er die komplexen Themen zu einer Novelle, die einfach und leicht verständlich daherkommt und dabei durch gedanklichen Tiefgang ebenso überzeugt wie durch sprachliche Eleganz und Klarheit.» Christian Haller zeigte sich sichtlich ergriffen: «Die Jury hat es wirklich geschafft, einen Schriftsteller, der 60 Jahre lang jeden Tag an der Sprache gearbeitet hat, sprachlos zu machen», sagte er in seiner Dankesrede. «Ich gebe zu, dass ich gerührt bin.» Ein wenig gerührt war auch das Publikum, von der bescheidenen, ruhigen Art, mit welcher der literarische Altmeister den prestigeträchtigen Preis entgegennahm, sich bei den Organisierenden der Lesereise herzlich bedankte – namentlich Tanja Messerli vom SBVV und Ursula Bürki von BuchBasel – und auch seine Mitnominierten nicht vergass: «Wir waren ein sehr, sehr gutes Team.» Seine Mitnominierten hätten wunderbare Bücher geschrieben, «die auch den Preis verdient hätten».
Die Laudationen finden sich auf der Website des Schweizer Buchpreises.
In der nächsten Ausgabe des Schweizer Buchhandels, die am 6. Dezember erscheint, folgt eine eingehende Würdigung des Schweizer Buchpreises.
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