Schweizer Buchhandels- und
Verlags-Verband SBVV

Newsletter Schweizer Buchhandel
Ausgabe 44/2023 vom 23. November 2023

4. Pestalozzi-Bibliothek
4. Zürcher Buchhandlungen fürchten um Aufträge

Die Pestalozzi-Bibliothek – die grosse Zürcher Stadtbibliothek mit 14 Filialen – lagert den Einkauf aller Medien an externe Firmen aus und schrieb diesen Anfang November öffentlich aus. Aufgrund des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen ist die Bibliothek verpflichtet, die Medienbeschaffung öffentlich und europaweit auszuschreiben, wenn diese einen gewissen Betrag übersteigen. Für die Auswahl und den Einkauf der Bücher sollen künftig nicht mehr die Angestellten der Bibliothek zuständig sein, sondern externe Auftragnehmer. Das Submissionsverfahren soll klären, welche Buchhandlungen diese Aufträge künftig übernehmen. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 3,2 Millionen Franken, verteilt auf vier Jahre. Bisher existiert eine Partnerschaft zwischen lokalen Buchhandlungen, die sich in der Nähe der Filialen befinden, und der Pestalozzi-Bibliothek.

In einem grossen Zeitungsartikel des Tages-Anzeigers vom 18. November («Zürcher Buchläden fürchten um Aufträge von der Pestalozzi-Bibliothek», hinter der Bezahlschranke) geben Michael Pfister von Calligramme und Ruth Schildknecht von Nievergelt ihrer grossen Besorgnis Ausdruck, dass viele kleinere Buchhandlungen bei der Ausschreibung gegen grosse Anbieter den Kürzeren ziehen, weil sie nicht so günstig offerieren könnten. Zudem seien viele personell oder aus Platzgründen gar nicht in der Lage, die geforderte Auswahl der Medien und deren Ausstattung mit Schutzumschlag und Code selber vorzunehmen. Einen Wettbewerbsnachteil gegenüber ausländischen Anbietern stellen natürlich auch die höheren Löhne und der starke Schweizer Franken gegenüber ausländischen Anbietern dar.

Die Beziehung zwischen Buchhandlungen und Bibliotheken ist traditionsgemäss ein fragiles und auf Vertrauen ausgerichtetes Mobile, mit dem man grundsätzlich versucht, gemeinsam für eine lebendige und vielfältige Buchhandels- und Veranstaltungslandschaft in der Schweiz zu sorgen. Den von Steuergeldern finanzierten Bibliotheken kommt eine grosse Verantwortung zu, den unabhängigen Buchhandel in der Schweiz zu schützen, um keine Verarmung der Literaturlandschaft voranzutreiben. Mit der Ausschreibung der Pestalozzi-Bibliothek ist dieses Thema jetzt wieder auf dem Tisch und sorgt für grosse Unruhe. Aktuell lasse sich jedoch noch nichts Konkretes sagen, meint Michael Pfister von Calligramme: «Die unabhängigen Buchhandlungen in Zürich tauschen sich aktuell intensiv aus. Noch ist es aber zu früh, um darüber Auskunft zu geben, wie wir mit der neuen Situation umgehen wollen.» Gestern fand am Vormittag eine Informationsveranstaltung von Felix Hüppi, Direktor der Pestalozzi-Bibliothek, statt. Im Februar 2024 wird entschieden, welche Buchhandlungen den Auftrag erhalten.

Medientipp: Beitrag auf Tele Z vom 21. November. Es kommen zu Wort: Felix Hüppi, Direktor Pestalozzi-Bibliothek; Ruth Schildknecht, Geschäftsführerin Buchhandlung Nievergelt; Janka Wüest, Inhaberin Buchhandlung Bodmer.

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